démodé

moebius13erobernde selbstunterwerfung
geschätztes martyrium
begehrtes gefängnis
sehende blindheit
frohes leiden
und die zu oft erfüllte
hoffnung, jede nichtigkeit
erlangt unterwegs zum ohr
des anderen
bedeutung.
 

© j.gireau

Die Doktrin der Grenze /Dngnskrchn

 
party

 
Der lückig lachender Stratocaster überfährt sie sanft mit gelben Krallen. Die Membran wummert mich ins Dach, weit über die schütteligen Häupter. Stürze hernieder und fahre ihnen durch die Muscheln, trommele sie herzhaft am Fell und erspüre stolz den Kosmos im Gyrus temporalis. Da bin ich sattsam zuhause. Ich bekitzele das limbische System, bis es kräht. Schwierig einzig bei abgespreiztem Bein/Augen und beschalten Nadelstreifen am DoubleCutaway. Die Posetion der Gliedermassen evoziert Kultur ebenso wie das infantile Stühlebeknieen. Wegesteher. Winde mich schlank durch Augenpaar - Verfolgungsjagden. Abendlang. Zerhaue noch geschwind und milde ein paar Paradiese. Bald riecht der Raum nach niedergeschlagenen Ohrwürmchen. Ein gläsern dick ironischer Mund fängt ein, zerkaut mich ein wenig liebevoll und lässt mich rechtzeitig wieder frei.

subjektive faktizität

marieEs gibt etwas, dass ich nicht begreifen kann (Pause)
Warum gehorche ich mir immer? Kann ich mir das erklären?

Die Maschine fordert Opfer

maschineSchrecke in den Tag
mit verheerender Klarheit
von mir gefesselt und geknebelt
liegt weiß nicht mehr wer
und vergessen wo
 
 
 
 

Trauerarbeit II

haus       Über der Mauer
       kurzblond Du Sonne
       leicht strähnig hingekrümmt
       fand Hand zur Hand
       und Moi in den Mantel
       aus Adrenalin

Kardialer Tinnitus

trauer
"Ich kenne Sie doch?!"
"Sie haben mich nie gesehen."
"Ihre Worte verraten Sie!"
"Das Gefühl habe ich..."
"Das ist kein Gefühl!"
"... schon lang länger."

[ in camera ]

komma herr, deu allesmacher, du bessermeiner! u possenreiter! du autonom! hier bin ich und regelos! schlrraag neben mich! was war denn dein plan? ich weiß, ich würde ihn nicht verstehen, vergrättzt du ihn mir auch. genug an meinen leinden geztupft? endlich ferngesteuer ziel zerreicht? eine verschstörung? eine kahlarboration? koiinzkridenzien hast du eingeblaut! ist das ein system? eine schalktafel? schalschwafel? eine schaltafel? schaltung? schalung? bis du aus beton? schalt doch ruhig ab die krachfelder! wo sind die generatioren? sähe keine mehr! weg! einfach wäk! einer wieder andere! haben doremino gespielt! hast deu mit ihnen dominaeffekt gespielt? hast du sie abgeschalt?
habe ich mich überhaupft erbewegt? du hast doch das andere bewegt! du hast doch das andere bewegt! wo hast meine augengräser? ich sähe unschrrrf, das weiz du doch! was benützt es dir? kroiz und quer geht dieser wwrrwwrr! warum nicht ins gehöirn gegriffen? lokotomie auf offner brühne! wäre doch einfacher gewesen! warum bei vollem benutzsein? WARUM OHNE BETÄUBUNG!? warum nicht direkt ans himblische systel? warum der urrrweg über die sünne? sinne? sünde? warum nicht zahnaua? offne wunde? warum qualsi subkultan? wenn deu das hrrrz trrrffen wolltest, warum hast deu nicht besser gezielt? sadist? schau dir drrrse hämnde an! schau drrrse finger! schau diese nägel an! und? und? was sierrrst deu? warum kein blrrut? ohne bluet? dehnt doch garnicht! gähnt doch garnicht! was denkst du soll ich jetzt tun? was denkst du soll ich jetzt tun?

moebius7
© jean gireau

subcutan - schockschwerenot

marsyas

Schwerer Fehler

bergkammjenseits jenes kammes:
war kleine sache
bei trockener stirn
bevor die beine autonom
hinab kantappern

für das geflecht der rückschau
kurz ein halt gewähren für:
prächtiger blick aufs beifällige
durch den getrübten glaashang

weiterrr dahinnn
entfaucht feuernebel im kopf
was versäumt hast
dir zu deuten:
das beste steht dir noch bevor

Unbescheiden

Nie hattest Du eine präzisere Stimmgabel für Deine Seele
Nie hattest Du einen besseren Müllplatz für Deinen Schmerz
Nie hattest Du einen besseren vollplatonischen Liebhaber
Nie hattest Du besser einen Freund            verlorn

*

zu sternenwolken
zerbersten stumm saphire
in augenwinkeln

Temporary Discomfort

Ausgewählte Per(l)mut(ter)ation

Woher soll ich lesen was ich denke bevor ich schreibe was ich weiß
Woher soll ich lesen was ich denke bevor ich weiß was ich schreibe

Woher soll ich schreiben was ich weiß bevor ich lese was ich denke
Woher soll ich schreiben was ich denke bevor ich weiß was ich lese

permut

Woher soll ich denken was ich schreibe bevor ich lese was ich weiß
Woher soll ich denken was ich weiß bevor ich lese was ich schreibe

Woher soll ich wissen was ich lese bevor ich denke was ich schreibe
Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich lese was ich schreibe?

Soziale Kompetenz

apple

und Deine schartige kappe tief in die   gedrückt Du und die langen und blonden heraus strähnen herausschauen wundervolle nase und das spaltige kinn vorgereckt als wolltest Du gleich   und verkniffen der purpurne schmoll und voll hohn? und voll verachtung? und jetzt das ganze gesicht wie hinter einer sämigen milchglasbutze du und du wächst mit den gestreckten langstieligen kralligen händen zielend nach rechts ins tal? und bräunlicher hauch entlassen heraus und windet zum und umkreischt die schwarzigen seher mit den graugrauen pupillen kalt und eine weiße brust bloß und Du wächst und wächst und die hohen knarzigen gestiefel mit den goldgoldenen  schschschnallen hoch über mir wolken um Deine schattige gewalt und dein kleiner achchchch unscheinbarer pfeil mit dem federchen mit den  buntfederchen in meiner wehen  flanke nicht zu fassen und das  krümmt und das schmerzt so und alles ist so grau  wie eben nicht und  alles so so   fleckig und alles so  so so   tief und der staub in meiner  meiner nase  und ich    will   ich  will   nicht   so   nicht    so   nicht      so      tief       so schwarz          Du            mit            Deinem                betäubungsgewehr             Du

Nichts zu sehen, viel zu denken

beuysSommer '77: documenta 6:
Ich: Transportarbeiter
mit sogenannt humanistischer, dennoch unerzwungen bildungsferner Schulbildung aus ebenfalls unerzwungen bildungsfernem Elternhaus.
Zuspät-68er:
"gesunde Wut" gegenüber der rheinischen Republik aber auch als Oberbegriff einer Kunstrezeption: Alles >> Schnellstens >> Anders.
Im Kasseler Betrieb, dem ich meine Arbeitskraft entgeltlich zur Verfügung stelle, werden Richard Serras Corstahl-Platten für "Terminal" gearbeitet. Beschäftigte im Werk Rothenditmold schweißbrennern sich zu einem ganz eigenen Kunstbegriff, während sie beim Frühstück noch BILDer fressen und sich fachmännisch ereifern, daß das Zeug nicht lackiert, und somit fahrlässigerweise dem Rost preisgegeben wird. Hingegen ist für sie de Marias "Erdkilometer" keine Kunst. Vice versa, so vermutete ich, wird es bei den Mitarbeitern jener Bohrfirma sein, die "Das Loch" in monatelanger Arbeit in den Gneis treiben. Gemeisamer kleinster Nenner sind "Die Kosten" und ihr Äquivalent in Gespeiste in Bangla Desh. Vorauseilende Lektüre der Lokalpresse: es wird das Wort "entartet" kunstvoll umgangen. Kontroversen um Nam June Paik , Richard Serra, Tausend-Meter-Loch de Marias, Hängung der DDR-Maler.


Eine esoterische Schlange windet sich durch Ebenen und Räume des Fridericianums.
Als Einwohner von Rock City (die Existenzialisten und Hesse fröhlich überspringend - in einem Satz zu Kerouac-Beckett-Arno Schmidt: es ist nicht unbedingt folgerichtig, Beuys' Honigpumpe als Hauptwerk der d6 zu betrachten; Esoterik, Metaphysik, Versöhnung von Natur und Kultur (-Technik): Dinge, die nicht meinem Paradigma angehören. Das Un-Ironische ist unmodern und rückwärtsweisend, eine Utopie gegen die herrschenden Dystopien. Eine Metaphysik, die im Kontrast zum Zeitgeist über Erkenntnisgewinnung dreist hinausgeht.
Beuys, den ich bislang nur als brachialen Brecher von Kunsttabus wahrnehme: plötzlich Mensch. Schock.

Sommer '82: a.a.O.: Nichts zu sehen, nichts zu denken
Nach wenig amüsantem Besuch der d7. Ich sitze mit einer Vertrauten in einem Café an der Unteren Karlstrasse. Klaus Staeck im Jackett am Nebentisch. Beuys duckelt herein: Weste/Hut/abgewetzter Aktentasche.
Hier:
schwammeliger Nahostakzent: gebürtigen Dresdners, vogelig, kropfig aufgereckt mit dem Selbstbewußtsein der prozessualen Fremderfahrung - vielfeindvielehr - laut, präsent, agitil, unbekümmert: ein altes Kind der jungen Achziger.
Dort: leise, viel zu hohe Rauhstimme, lächerlicher Niederrheinakzent, klein, biegsam, halslos.
Und doch: den Raum füllt seine Präsenz.
Obwohl:
Sein Beitrag zur d7 ist ganz und gar unartifiziell: Geldeintreiben für ein paar Tausend Eichensetzlinge. Wiederum ganz und gar unironisch. Siebentausend Basaltblöcke nehmen die Bewohner der Stadt in Geiselhaft.
Immer noch wenig vertraut mit Ikonographie und zeitkonformer Rezeption "moderner" Kunst empfinde ich Beuys' Werk als wahr. Vor den Kaspereien Keith Harings, vor Jenny Holzers lyrischen Stickereien. Vor der verstörenden Sepia-Pracht der Becherschen Industriefotographie.
Ich verstehe plötzlich.


Bildersturm
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