démodé

geschätztes martyrium
begehrtes gefängnis
sehende blindheit
frohes leiden
und die zu oft erfüllte
hoffnung, jede nichtigkeit
erlangt unterwegs zum ohr
des anderen
bedeutung.
© j.gireau
© j.gireau
Der lückig lachender Stratocaster überfährt sie sanft mit gelben Krallen. Die Membran wummert mich ins Dach, weit über die schütteligen Häupter. Stürze hernieder und fahre ihnen durch die Muscheln, trommele sie herzhaft am Fell und erspüre stolz den Kosmos im Gyrus temporalis. Da bin ich sattsam zuhause. Ich bekitzele das limbische System, bis es kräht. Schwierig einzig bei abgespreiztem Bein/Augen und beschalten Nadelstreifen am DoubleCutaway. Die Posetion der Gliedermassen evoziert Kultur ebenso wie das infantile Stühlebeknieen. Wegesteher. Winde mich schlank durch Augenpaar - Verfolgungsjagden. Abendlang. Zerhaue noch geschwind und milde ein paar Paradiese. Bald riecht der Raum nach niedergeschlagenen Ohrwürmchen. Ein gläsern dick ironischer Mund fängt ein, zerkaut mich ein wenig liebevoll und lässt mich rechtzeitig wieder frei.
komma herr, deu allesmacher, du bessermeiner! u possenreiter! du autonom! hier bin ich und regelos! schlrraag neben mich! was war denn dein plan? ich weiß, ich würde ihn nicht verstehen, vergrättzt du ihn mir auch. genug an meinen leinden geztupft? endlich ferngesteuer ziel zerreicht? eine verschstörung? eine kahlarboration? koiinzkridenzien hast du eingeblaut! ist das ein system? eine schalktafel? schalschwafel? eine schaltafel? schaltung? schalung? bis du aus beton? schalt doch ruhig ab die krachfelder! wo sind die generatioren? sähe keine mehr! weg! einfach wäk! einer wieder andere! haben doremino gespielt! hast deu mit ihnen dominaeffekt gespielt? hast du sie abgeschalt?
habe ich mich überhaupft erbewegt? du hast doch das andere bewegt! du hast doch das andere bewegt! wo hast meine augengräser? ich sähe unschrrrf, das weiz du doch! was benützt es dir? kroiz und quer geht dieser wwrrwwrr! warum nicht ins gehöirn gegriffen? lokotomie auf offner brühne! wäre doch einfacher gewesen! warum bei vollem benutzsein? WARUM OHNE BETÄUBUNG!? warum nicht direkt ans himblische systel? warum der urrrweg über die sünne? sinne? sünde? warum nicht zahnaua? offne wunde? warum qualsi subkultan? wenn deu das hrrrz trrrffen wolltest, warum hast deu nicht besser gezielt? sadist? schau dir drrrse hämnde an! schau drrrse finger! schau diese nägel an! und? und? was sierrrst deu? warum kein blrrut? ohne bluet? dehnt doch garnicht! gähnt doch garnicht! was denkst du soll ich jetzt tun? was denkst du soll ich jetzt tun?
und Deine schartige kappe tief in die gedrückt Du und die langen und blonden heraus strähnen herausschauen wundervolle nase und das spaltige kinn vorgereckt als wolltest Du gleich und verkniffen der purpurne schmoll und voll hohn? und voll verachtung? und jetzt das ganze gesicht wie hinter einer sämigen milchglasbutze du und du wächst mit den gestreckten langstieligen kralligen händen zielend nach rechts ins tal? und bräunlicher hauch entlassen heraus und windet zum und umkreischt die schwarzigen seher mit den graugrauen pupillen kalt und eine weiße brust bloß und Du wächst und wächst und die hohen knarzigen gestiefel mit den goldgoldenen schschschnallen hoch über mir wolken um Deine schattige gewalt und dein kleiner achchchch unscheinbarer pfeil mit dem federchen mit den buntfederchen in meiner wehen flanke nicht zu fassen und das krümmt und das schmerzt so und alles ist so grau wie eben nicht und alles so so fleckig und alles so so so tief und der staub in meiner meiner nase und ich will ich will nicht so nicht so nicht so tief so schwarz Du mit Deinem betäubungsgewehr Du
Eine esoterische Schlange windet sich durch Ebenen und Räume des Fridericianums.
Als Einwohner von Rock City (die Existenzialisten und Hesse fröhlich überspringend - in einem Satz zu Kerouac-Beckett-Arno Schmidt: es ist nicht unbedingt folgerichtig, Beuys' Honigpumpe als Hauptwerk der d6 zu betrachten; Esoterik, Metaphysik, Versöhnung von Natur und Kultur (-Technik): Dinge, die nicht meinem Paradigma angehören. Das Un-Ironische ist unmodern und rückwärtsweisend, eine Utopie gegen die herrschenden Dystopien. Eine Metaphysik, die im Kontrast zum Zeitgeist über Erkenntnisgewinnung dreist hinausgeht.
Beuys, den ich bislang nur als brachialen Brecher von Kunsttabus wahrnehme: plötzlich Mensch. Schock.
Sommer '82: a.a.O.: Nichts zu sehen, nichts zu denken
Nach wenig amüsantem Besuch der d7. Ich sitze mit einer Vertrauten in einem Café an der Unteren Karlstrasse. Klaus Staeck im Jackett am Nebentisch. Beuys duckelt herein: Weste/Hut/abgewetzter Aktentasche.
Hier:
schwammeliger Nahostakzent: gebürtigen Dresdners, vogelig, kropfig aufgereckt mit dem Selbstbewußtsein der prozessualen Fremderfahrung - vielfeindvielehr - laut, präsent, agitil, unbekümmert: ein altes Kind der jungen Achziger.
Dort: leise, viel zu hohe Rauhstimme, lächerlicher Niederrheinakzent, klein, biegsam, halslos.
Und doch: den Raum füllt seine Präsenz.
Obwohl:
Sein Beitrag zur d7 ist ganz und gar unartifiziell: Geldeintreiben für ein paar Tausend Eichensetzlinge. Wiederum ganz und gar unironisch. Siebentausend Basaltblöcke nehmen die Bewohner der Stadt in Geiselhaft.
Immer noch wenig vertraut mit Ikonographie und zeitkonformer Rezeption "moderner" Kunst empfinde ich Beuys' Werk als wahr. Vor den Kaspereien Keith Harings, vor Jenny Holzers lyrischen Stickereien. Vor der verstörenden Sepia-Pracht der Becherschen Industriefotographie.
Ich verstehe plötzlich.