Unbescheiden

Nie hattest Du eine präzisere Stimmgabel für Deine Seele
Nie hattest Du einen besseren Müllplatz für Deinen Schmerz
Nie hattest Du einen besseren vollplatonischen Liebhaber
Nie hattest Du besser einen Freund            verlorn
TheSource - 3. Feb, 17:48

Vorschlag

Ich würde das "verloren" am Ende streichen. Der Verlust spricht schon aus dem Imperfekt - nein, brüllt sich heraus - und der Text bleibt "offener" ohne.

Grau - 5. Feb, 17:57

Hm

... es muss mir wohl grundlegend was misslungen sein. Intention war, das Imperfekt (statt "Präteritum") als die unvollendete Vergangenheit mit dem Plusquamperfekt zu konterkarieren, oder besser, transponieren. Also: In meiner Lesart lässt hier die Wahl des Imperfekt vorderhand die Vollendung der Aussage offen - hier: ob z.B. die Funktion als Stimmgabel beendet ist, oder nur ein Fazit gezogen wird.
Markus A. Hediger - 5. Feb, 18:12

Mir gefällt

gerade das "verloren" am Schluss. Es kommt - strukturell - unerwartet und - auch da bin ich anderer Meinung als TheSource - verändert die Aussage rückwirkend der ersten Zeilen.
TheSource (Gast) - 8. Feb, 01:20

Also gut, also gut, genauer:

Verloren. Der Verlust ist inhärent im Imperfekt. Das ist etwas Vergangenes, das ist etwas, das w a r - im Jezt aber schreibt es sich. Im Gegensatz zu Markus habe ich das verloren erwartet. Es war absoulut nicht neu.
Vorschlag, genauer: ersetzen Sie es doch. Mir würde etwas Sinnliches gefallen an der Stelle - sic: etwas durch die Sinne wahrnehmbares.
TheSource (Gast) - 8. Feb, 01:24

Nachtrag:

Sie können durchaus auch knirschend brutal bleiben. Versuchen wir einmal ein paar Spielereien:

Nie hattest du einen besseren Freund geweint
Nieh hattest du einen besseren Freund vergessen
Nie hattest du einen besseren Freund in der Beuge deines abwesenden Lächelns (jetzt wirds wortfüllig)
Nie hattest du einen besseren Freund der sich in eigen Träne schmeckte (irgendwas Altes in mir mag diese Variante)
Nie hattest du einen besseren Freund.
TheSource (Gast) - 8. Feb, 01:27

Spielereien, noch mehr und Teil zwei

(oder: ich sollte mich einloggen):

Satzbaudominanz benutzen:

Nie hattest du einen Freund, der besser........ (hier sprudelt es an Möglichkeiten)
Oder schlicht für sich: Nie hattest du einen Freund, der besser.
Oder, Trick: Nie hattest du besser einen Freund verloren. (ist unter den Topfavoriten)
Reh Volution - 5. Feb, 13:14

EgoNIE

Sehr schön finde ich den Vorschlag und eigentlich hätt ich kein Wort verloren.
Aber mir kommt die Richtung so bekannt vor und deshalb ein Tantentipp -
Nimmt man sich halb so ernst und würde man öfter in Bond's Fußstapfen treten, man verlöre seltener Freunde -

Grau - 5. Feb, 18:12

Wahre Worte

Jedoch hat mir der Pathos seinen eigenen Reiz.
BTW: im Bonduniversum existiert ja auch die Moneypenny-Sphäre....
Markus A. Hediger - 5. Feb, 18:26

Ach, die Moneypenny

Sie ist m.E. die stärkste Figur im Bonduniversum. Jedesmal, wenn James in ihre Gegenwart tritt, wird seine Schwäche offensichtlich. Mit ihr kann er nicht (und das nicht, weil er nicht will).
Ich bin erkaeltet (Gast) - 5. Feb, 20:59

Scheyn, kannte ich gar nicht.
Der Mensch ist ein Spinner, nicht wahr?

darkrond - 6. Feb, 02:42

nicht nur die großen schillernden worte an den zeilenenden, auch das mit dem vorgezogenen "nie" angestoßene pathos korrespondiert hübsch mit der überschrift. aber das "verloren" am schluß macht auch für meinen geschmack den bogen zu straff. es knirscht schon.

Ich bin erkaeltet (Gast) - 6. Feb, 08:25

Bitte, ich merke, das hat Ihnen Freude bereitet.
Und ich hab wieder gelernt, bald passt oben nichts mehr rein.

Grau - 8. Feb, 10:00

Sie haben natürlich alle recht.

@darkrond: Danke für den Hinweis auf die Brechung durch den Titel. War etwas unentschlossen, ob ich es nicht mit "Mich" betiteln sollte.
@Source: Dennoch möchte ich, bitte, auf folgendem bestehen:
Die ältliche Bezeichnung "Imperfekt" sagt es aus: unvollendet; im rhetorisch Praktischen. Ich sehe folgendes Bild: Auf dem Hügel stehend lege ich den Arm um Ihre Schulter und sage: "Nie hatten Sie saftigere Weiden und größere Herden als heute." Imperfekt.
Ersetzen Sie "verloren" durch "als mich". Ergänzen Sie jede Zeilen durch "als mich". Würde das deutlicher?
Gerade die Brechung durch den Plusquamperfekt sollte, so war es geplant, die Pointe sein. Ist offenbar nicht gelungen.
Das ratternd Unpoetische ergab sich aus der Schreibsituation und dem Gedanken der brut force. Hingehuscht. Schwamm drüber.

darkrond - 10. Feb, 02:04

"unbescheiden" ist mir lieber als "mich". es gibt dem selbstreflexiven eine andere qualität.
die pointe per plusquamperfekt hat in der tat nicht gestochen. auf den partizip II am ende würde ich zu verzichten empfehlen. aber es sind nunmal nicht meine zeilen. trotzdem danke. ich mag sie.
Grau - 8. Dez, 18:28

Fünef Jahre später...

..... habe ich mich zu einer Änderung gezwungen. Dankk an die Mitwirkkenden - nun kknirschts kaum noch


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